Mars<>Merkur, Rankstab versus Schublade, zur Metamorphosenlehre

(PZ, SN, 3/2018)

Leitlinie - wer versteht wie? Ich denke sie als Orientierungshilfe, als Rankstab im Sinne eines beweglichen Innenskelettes, nicht als Außenskelett, Kiste, oder kommode Schublade!
Ein sprechendes Bild für diesen Unterschied gibt der Metamorphose-Schritt vom Mars-Kapitell zum Merkur-Kapitell:

Zur Metamorphosenlehre | Kapitelle 1. Goetheanum | Mars-Merkur

Die Kapitelle setzen die Entwicklungsschritte der sieben planetarischen Weltentwicklungsstufen der Erd-Inkarnationen ins Bild: SaturnSonneMond – Erde – JupiterVenus – Vulkan.
Dabei ist die Erde als Mitte Wendepunkt und also sinnvoll in zwei Qualitäten aufgefasst, Mars und Merkur. Dafür ist die letzte Qualität – als der ersten auf höherer Stufe gleich – nicht ins Bild genommen. So sind es wieder sieben.

Ein Wesentliches beim Gang durch diese Schritte sind die Pausen dazwischen, Pralaya.
Entsprechend sind die Kapitellformen als Metamorphosen zu verstehen – je nach einer schöpferischen Pause entsteht Neues als gänzlich Gewandeltes auf ganz neuer Ebene neu.
Das gilt jedoch nicht für die Metamorphose vom Mars zum Merkur – diese kennzeichnet einen fundamentalen Qualitätswechsel inmitten einer Stufe, der Erde.
Darum muss diese Umwandlung auch anders zu begreifen sein, zwar als vollständige Umstülpung, jedoch ganz irdisch.

Ein Versuch:
Sehen Sie die Marsform – ein allseitig abgeschlossenes Karree, vom Oben getrennt. Eine massive viergliedrige Form ganz nach innen gewandt. Der Mensch als im Kubus eingeschlossenes Ego. Diese Form kann nur schrumpfen (oder platzen?).
Verkleinern Sie den Kasten, Sie finden ihn wieder, können ihn erkennen im unteren Teil des Merkurstabes. Da haben Sie beides wieder, Abgeschlossenheit wie Viergliedrigkeit.
Jedoch haben alle vier Glieder sich gewandelt: Fahren Sie mit der Hand vom hängenden Ansatz her in des Mars´ Innenform hinein wie in einen Handschuh:

  • Greifen Sie zunächst den vorne sitzenden Handschuhfinger von innen und wenden Sie ihn auf links, ziehen Sie ihn nach hinten und weiter nach unten bis in den Grund hinein – die Pflanze bildet die erste Wurzel, der Mensch erdet sich, nimmt Bezug auf zum Mittelpunkt der Erde.
  • Dann greifen Sie genauso hinein in den zuunterst hängenden Handschuhfinger und wenden diesen, ihn hinaufziehend, die Decke durchstoßend ins freie Oben, ihm Ausblick gewinnend. Der Stab ist aufgerichtet.
  • Zuletzt greifen Sie beidseits in die verbleibenden Seitenfinger und wenden diese überkreuz zu den gegenüberliegenden Seiten mit Schwung hinauf, dem Stab zur Stütze. Die Haltkraft des horizontalen Rahmens nimmt der Schwung mit, die dynamisch geschwungenen Seiten geben der Senkrechten ihren Halt, die konvexen Schlangenkopf-Enden sprechen in die konkaven Halsmulden hinein. Zu Zipfeln geleert sind die Reste erkennbar innen im Untergeschoss des Merkurstabes.
    Da ist der Mensch als erwachtes Ich, in freiem Verhältnis zu seinen Nachbarn.

Die Marsform scheint ein Samenkorn, alles ist Innen, Keimkraft abgeschlossen in harter Schale. Schädelgleich regiert ein Außenskelett.
In den Merkurformen ist Innen mit Außen im Gespräch:

  • Im senkrechten Wurzeln wird – als Schein der Form – die große Kugel Erde darunter fühlbar.
  • Im geschlossenen unteren Raum wird die Selbstheit sichtbar, der gewandelte Marsraum.
  • Ins Oben ragend und dynamisch gehalten, wird frei das höhere Ich erlebbar – wird das Weltenrund als antwortender Umraum gebildet.

Ein Innenskelett erscheint im Bild, wie es (vom Schädel abgesehen) in der Form des physischen Leibes des Menschen ideal angelegt ist. Diese Form ist am längsten bereits gebildet, vom Saturn her schon und von den höchsten Hierarchien, deren größte Weisheit steckt in ihr. Von ihr kann der Mensch lernen.

Das scheint mir eine Signatur unserer Zeit: „Schrumpfen oder Platzen“, Vertrocknung oder Explosion – der Marsform Möglichkeiten scheinen überall zu drohen. Keine Lösung scheint in Sicht, Aufweichung und Entkräftung sind als Vorschläge zur Entschärfung nicht akzeptabel. Klarheit und Kraft kann keiner entbehren.

Welch genialer Griff ist plastisch die Wandlung zum Merkurstab! Sie setzt eine Überwindung der „Sackgasse Mars“ ins Bild, die keine seiner Qualitäten vermissen lässt, dafür weit über ihn hinausgreift.

Beides wendet Not:

  • Wenn Sprecher Begriffe bilden in diesem Sinn: lebendige Rankstäbe einem sich entwickelnden Begreifen, nicht definierte Kisten als Särge toter Ideen.
  • Wenn Hörer Worte auffassen in diesem Sinn: weit sie nehmen, suchend umspielen mit allen Sinnen möglichen Sinn, nicht voraussetzend enge und ausschließliche Definition.